Lehrpfade

Arbeitsmaterial

Lehrpfade sind vor allem aus dem Bereich der Ökologie bekannt. Waldlehrpfade mit Hinweisen auf Pflanzen, Bäume u. ä. haben eine weite Verbreitung gefunden. Auch in einem anderen thematischen Kontext können Lehrpfade wichtige Einsichten vermitteln und die Auseinandersetzung mit bestimmten Inhalten erleichtern.

Anders als Ausstellungen sind Lehrpfade auf Dauer angelegt und befinden sich im Freien. Dies stellt natürlich an die Gestaltung und Ausführung (wetterfest) besondere Ansprüche. Lehrpfade müssen auch so konzipiert sein, daß sie keiner Führung und Betreuung bedürfen. Sie sprechen für sich. Ein Lehrpfad wird begangen oder erwandert. Die einzelnen Tafeln oder Objekte können weit verzweigt, aber durch ein gutes Wegenetz verbunden sein. Es ist auch möglich, daß bestimmte Themenbereiche nebeneinander gruppiert werden, um danach wieder Platz und Raum zu lassen.

Neben Lehrpfaden, die auf Dauer (einige Jahre) errichtet werden, ist es auch möglich, einen Lehrpfad saisonal einzurichten (z. B. nur für die Sommermonate, für die Fastenzeit etc.).

Der Bau eines Lehrpfades muß mit der Kommunalverwaltung bzw. den jeweiligen Grundstückseigentümern abgesprochen werden. Da Lehrpfade in der Öffentlichkeit für die Öffentlichkeit errichtet werden, ist es durchaus denkbar, daß sie auch Stein des Anstoßes sind, zumal dann, wenn sie politische Positionen beziehen oder auf gerne vergessenes Unrecht aufmerksam machen.


Beispiele

Die Gemeinde Schliengen in Baden-Württemberg hat 1988 eine Lehrpfad zum Thema "Wege zur Politik" eröffnet, der allgemein politische Informationen über Aufbau und Funktion der Bundesrepublik vermitteln will.

Wege zur PolitikThemen des Lehrpfades in Schliengen
Bürger, Gemeinde, Landkreis, Baden-Württemberg, Nation, Berlin, Grundgesetz, Bundespräsident, Bundeskanzler, Parlament, Wahlen, Parteien, Bund und Länder, Recht, Sozialstaat, Soziale Marktwirtschaft, Interessen, Öffentliche Meinung, Europa, Ost-West, Nord-Süd, UNO, Gefahren, Ermutigung.Diese Themen werden auf 26 Bildtafeln durch Fotographien, Schaubilder, Grafiken und Texte dargestellt.Ein Suchspiel, bei dem Textausschnitte der richtigen Tafel zugeordnet werden müssen und dadurch ein gesuchter Satz sich in der richtigen Reihenfolge ergibt, ist ein zusätzlicher Anreiz.Vgl. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Wege zur Politik. Stuttgart, o. J. (1989).

Die Initiative Gedenkstätte Eckerwald, auf der Schwäbischen Alb, möchte mit ihrem "Gedenkpfad Eckerwald" auf die Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus aufmerksam machen. Auf dem Gebiet eines ehemaligen Zwangsarbeitslagers, wo die Nazis versuchten, aus Schiefergestein Öl für die Rüstung zu gewinnen, erschließt der Gedenkpfad die Überreste der von Häftlingen gebauten und bedienten Anlagen (vgl. Beispiel).

Mit 80 Tafeln "zur Erinnerung" machten die Künstler Renata Stih und Frieder Schnock die tägliche Diskriminierung deutscher Juden während der Nazizeit im Berliner Bezirk Schöneberg wieder sichtbar.

76 Plakate erinnern an 76 ermordete Juden in Fulda. Zum 50. Jahrestag der Deportation der Juden von Fulda nach Theresienstadt hat die Stadt Fulda 1992 76 Plakate in der Innenstadt aufgestellt. Auf jedem Plakat war unter dem Davidstern die Original-Deportationsliste mit allen 76 Namen der später ermordeten Juden zu finden. Die Plakate, die symbolisch für jedes Einzelschicksal stehen, wurden entlang von sechs Straßenzügen angebracht - beginnend beim ehemaligen Standort der Synagoge bis zum Bahnhof, wo die Waggons für die Fahrt in den Tod bereitgestellt waren.

Beispiel:
Juden dürfen am Bayerischen Platz nur die gelb markierten Sitzbänke benutzen.

Augenzeugenberichte 1939


Schautafeln

An Stelle eines Lehrpfades kann es auch sinnvoll sein, an einer besonderen Stelle eine Schautafel mit dem Hinweis auf ein besonderes Ereignis, einen besonderen Ort usw. anzubringen. Dies ist leichter zu realisieren als ein Lehrpfad.

Vgl. Günther Gugel: Methoden Manual I + II. "Neues Lernen". Tausend Praxisvorschläge für Schule und Lehrerbildung. Weinheim und Basel 1997 f.

sowi-online dankt dem Landesinstitut für Schule, Soest, und der Redaktion von learn:line für die freundliche Genehmigung zur Aufnahme dieser Seite in das Angebot von sowi-online.