Arbeitsblätter und Schülerarbeitsmappen im Unterricht über Ökonomie

Volker Brettschneider

Inhalt

1. Intention
2. Didaktische Funktionen und Gestaltungskriterien von Arbeitsblättern
3. Schülerarbeitsmappen
4. Unterricht ohne Arbeitsblatt?
5. Literatur
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Arbeitsblätter ja - aber welche Funktion haben sie im Lernprozess eines Schülers und wie sollen sie gestaltet werden? Um zunächst begriffliche Klarheit in die unübersichtliche Diskussion zu bringen, zeigt Brettschneider die didaktischen Funktionen und die Gestaltungskriterien von Arbeitsblättern auf. Damit im Zusammenhang steht auch die Führung von Arbeitsmappen. Arbeitsblätter sollten zu Lernhilfen werden.

1. Intention

Arbeitsblätter sind im Schulalltag eines der am meisten benutzten Unterrichtsmedien. Seit Umdrucker und Kopierer ein schnelles Vervielfältigen von Arbeitsmaterialien erlauben und die Kritik an Schulbüchern stark geworden ist, werden Schüler in manchen Fächern mit Arbeitsblättern geradezu "bombardiert" (vgl. Meyer 1987, Bd. 2, 307).
Neuerdings wird die Herstellung dieses Mediums mittels Papier, Schere und Kleber durch den Personalcomputer und Textverarbeitungsprogramme bzw. Desktop Publishing abgelöst und beschleunigt. Die neuen Technologien können jedoch nur die graphische Gestaltung von Arbeitsblättern verbessern, wobei hierfür ein erheblicher finanzieller Aufwand für die Hard- und Software erforderlich ist. Die inhaltliche Konzipierung von Arbeitsblättern ist weiterhin von der didaktischen Kompetenz und der Fachkenntnis des Lehrers und der Lehrerin abhängig. Ferner bleibt die Führung einer Mappe durch die Schüler unverzichtbare Voraussetzung für die sinnvolle Nutzung von Arbeitsblättern im Ökonomieunterricht. Arbeitsblätter sollen die Lernenden befähigen, sich selbständig mit Sachverhalten aus der Arbeits- und Wirtschaftswelt auseinander zu setzen, d.h. Informationen zu sammeln, zu verarbeiten und weiterzugeben sowie für kaufmännisches Handeln zu nutzen. Zahlreiche wirtschaftliche Tätigkeiten, ob Kaufen oder Verkaufen, kaufmännisch-verwaltende Bürotätigkeiten o. Ä. setzen Methoden selbständigen Arbeitens voraus, so dass dem Arbeitsblatt bei der Schulung dieser Fähigkeiten eine hohe Bedeutung zukommt. Darüber hinaus muss die Kompetenz der Schüler zur Lösung komplexer beruflicher Anforderungen mit Hilfe weiterer handlungsorientierter Lehr- und Lernverfahren entwickelt werden; Arbeitsblätter sind auch ein notwendiger Bestandteil dieser Verfahren.
Unter einem Arbeitsblatt soll hier ein "didaktisch strukturierter, schriftlich, rechnerisch oder bildnerisch zu lösender Arbeitsauftrag" (Meyer 1987, Bd. 2, 307 f.) verstanden werden, d.h. Arbeitsblätter strukturieren den Weg vor, auf dem die Schüler sich mit einem Thema auseinandersetzen sollen. Die bloße Fotokopie einer Wirtschaftsnachricht oder einer Kostenabrechnung ist folglich noch kein "Arbeits"blatt. Formales Kennzeichen ist der Loseblattcharakter; Arbeitsblätter werden vom Lehrer als Lehr- und Lernmittel in den Unterricht eingebracht und sollen die unterrichtliche Arbeit anregen, sichern oder kontrollieren, wobei ihr Einsatz sich nicht auf eine Schulstufe beschränkt. Arbeitsblätter werden z.T. von Schulbuchverlagen - als Ergänzung bestimmter Lehrbücher oder lehrbuchunabhängig - in Form fertiger Arbeitshefte oder -mappen angeboten. Selbsterstellte Arbeitsblätter haben demgegenüber den Vorzug, dass sie die jeweiligen anthropogenen Lernbedingungen berücksichtigen und auf die Leistungsfähigkeit der Schülergruppe relativ genau abgestimmt werden können. Für den Einsatz von Arbeitsblättern im Ökonomieunterricht sind einige grundlegende Gesichtspunkte zu berücksichtigen.

2. Didaktische Funktionen und Gestaltungskriterien von Arbeitsblättern

Arbeitsblätter dienen der Förderung der individuellen Selbständigkeit der Schüler; sie können unterschiedliche Funktionsmerkmale im Lernprozess haben:

  • Motivierungsfunktion: Arbeitsblätter enthalten eine inhaltliche Anforderung, deren Bewältigung für den Schüler eine Bestätigung des eigenen Könnens darstellt; Bestätigungen des eigenen Erfolgs sind ein wesentlicher Beweggrund, um das Lernen anzuspornen.
  • Aktivierungsfunktion: Arbeitsblätter fordern zu ihrer Bearbeitung gezielt die Aktivität des Schülers heraus, wobei ihr Vorteil darin liegt, dass jeder einzelne Schüler aktiviert wird, sich mit dem Unterrichtsinhalt auseinander zu setzen. Diese Selbsttätigkeit kann durch den jeweiligen Aufgabencharakter produktiv aber auch reproduktiv (Auffassen und Wiedergeben) gestaltet werden.
  • Leistungsgewöhnungsfunktion: Die Schüler lernen, überschaubare Aufgaben mit entsprechenden Hilfsmitteln zu lösen. Die Gewöhnung an Leistungsanforderungen ist beispielsweise für Klassenarbeiten und zunehmend komplexer werdende berufliche Aufgaben und Tätigkeiten unerlässlich.

Arbeitsblätter können idealtypisch nach a) Arbeitsblätter ohne Aufgabenstellung und b) Arbeitsblättern mit Aufgabenstellung unterschieden werden, wobei letztendlich alle Typen der Arbeitsblätter ihre Erarbeitung einer erkenntnisleitenden Fragestellung bedürfen.

a) Arbeitsblätter ohne Aufgabenstellung

  • lnformationsblatt: Es enthält vorwiegend ökonomische Sachdarstellungen wie z.B. Wirtschaftsnachrichten aus Tageszeitungen, Quellentexte, Wirtschaftsstatistiken, Kommentare, Dokumente oder Verträge u.Ä., die ein Schulbuch ergänzen oder ersetzen. Das Informationsblatt hat einen hohen aktuellen und realitätsnahen Bezug zu einem Problem aus der Arbeits- und Wirtschaftswelt und entlastet den Lehrer bei der Stoffvermittlung.
  • Merkblatt: Das Merkblatt ist dem Informationsblatt eng verwandt; während das Informationsblatt jedoch überwiegend unterrichtsbegleitend eingesetzt wird, dient das Merkblatt meist der Zusammenfassung am Ende einer Unterrichtsstunde oder -einheit und soll für den Schülern eine Lernhilfe bei der Nachbereitung des Unterrichts sein. [/S. 34:]
  • Anschauungs- und Motivationsblatt: Derartige Arbeitsblätter, z.B. eine Karikatur zur Lohn-Preis-Spirale, verknüpfen die ökonomische Realität mit einer unterrichtlichen Problemstellung, so dass die Schüler angeregt werden, an der Lösung eines Problems mitzuarbeiten.

b) Arbeitsblätter mit Aufgabenstellung:

  • Erarbeitungsblatt: Das Erarbeitungsblatt wird entweder von den Lernenden selbst - ohne Hilfe des Lehrenden - oder gemeinsam im Unterrichtsgespräch erarbeitet. In beiden Fällen steht jedoch das Arbeitsblatt im Mittelpunkt der Unterrichtsgestaltung, d.h. es legt die Abfolge der Lernschritte fest, und von seinem richtigen Aufbau hängt der Erfolg des Unterrichts ab.
  • Übungs- und Anwendungsblatt: Arbeitsblätter ermöglichen das Üben und Anwenden in besonderer Weise, da sie einen Methodenwechsel vom Frontalunterricht zu Allein-, Partner- oder Gruppenarbeit ermöglichen und jeder einzelne Schüler selbsttätig üben kann. Dabei sollen die Schüler nicht ausschließlich reproduktiv tätig werden, sondern an neuen Aufgaben neue Antworten finden, wodurch das Gelernte variabel und beweglich wird.
  • Lernkontrollblatt: Das Lernkontrollblatt ermöglicht Lehrenden und Lernenden ein Erfassen von Fortschritten und Lücken im Unterrichtsstoff. Dabei dienen Aufgabenblätter mit Lernaufgaben und ggf. kurzen Bearbeitungshinweisen der Leistungskontrolle (Klassenarbeiten, Klausuren, schriftliche Prüfungen, ...); Testblätter dienen der Erfolgskontrolle und werden i.d.R. am Ende einer Unterrichtseinheit eingesetzt, um die Erreichung der Lernziele zu überprüfen.

Für die Gestaltung eines guten Arbeitsblattes sollten einige formale und inhaltliche Kriterien berücksichtigt werden.

  • Arbeitsblätter müssen eindeutig zu identifizieren sein. Da sie von den Schülern in der Unterrichtsmappe gesammelt und geordnet werden sollten, genügen Nummerierung in der Kopfzeile mit M(aterial) 1, M 2, M 3,... sowie ein Querstrich oben, der für das ganze Blatt den Rand vorgibt. Alle anderen Informationen können jeweils der Arbeitsmappe entnommen werden. Abgebildete Quellen sollten gemäß den Regeln wissenschaftlichen Arbeitens einen Quellenverweis enthalten.
  • Arbeitsblätter müssen ästhetisch ansprechend gestaltet sein. Dies betrifft die räumliche Aufteilung, die Qualität des Abzugs, ggf. die Handschrift des Lehrenden bei Arbeitsauftrag oder Quellenverweis, ... . Diese formalen Kriterien besitzen z.B. für die Mappenführung der Schüler Vorbildfunktion, d.h. in der sorgfältigen Mappenführung durch die Schüler spiegelt sich auch die Qualität der Arbeitsblätter wider.
  • Das angebotene Material sollte möglichst viele Wahrnehmungsformen der Schüler - z.B. durch eine Kombination von Texten, Bildern, Statistiken, Graphiken, ... - ansprechen, damit sich der Lernstoff über verschiedene Textsorten eher einprägt. Die textliche Darstellung ökonomischer Sachverhalte, die sich häufig den Vorwurf der "Trockenheit" gefallen lassen muss, sollte keine Lesewiderstände erzeugen. Bereits aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes ziehen Schülerinnen und Schüler Rückschlüsse über dessen inhaltlichen Schwierigkeitsgrad. Die wichtigsten Merkmale, die einen äußeren Lesewiderstand erzeugen sind: unzureichende Berücksichtigung von Zeilenabständen und -längen, Randausgleich statt eines Flattersatzes, Farbgebung und Kontrastierung, Schriftart und Schriftgröße, Gliederung (Absätze, Einrückungen) und Hervorhebung (Sperrung, Fettdruck). Der innere Widerstand wird durch sprachliche Merkmale (Satzkonstruktion, Wortwahl, Fremdwörter, ...) geprägt und beeinflusst direkt die Verständlichkeit. Diese erfolgt durch Einfachheit der sprachlichen Formulierung, innere Folgerichtigkeit und äußere Übersichtlichkeit, Kürze und Prägnanz (Sprachaufwand im Verhältnis zum Informationsziel) und zusätzliche Stimulanz, z.B. durch ergänzende Abbildungen. Gleichwohl müssen Arbeitsblätter ein sachliches Layout behalten und dürfen nicht zu "bunten Bildern" missraten.
  • Arbeitsblätter sind meist aus einer oder mehreren Arbeitseinheiten aufgebaut, die Unterrichtsinhalt und Lernziel erschließen sollen und in der Abfolge oft mit dem Ablauf des Lernprozesses identisch sind, in dem sie verwendet werden. Jede Arbeitseinheit sollte im Idealfall mindestens die ersten drei der folgenden Einzelelemente enthalten:
    (1.) Informationsquelle als Arbeitsgrundlage zur Erschließung eines neuen Lerninhalts,
    (2.) Arbeitsauftrag zur Initiierung und Lenkung von Wahrnehmung und Denkstrategien,
    (3.) Lösungshilfen als Erfolgsverstärker zur Unterstützung der selbständigen Lösungsversuche und
    (4.) Lernkontrolle als Eigenkontrolle, damit der Schüler seinen augenblicklichen Leistungsstand ermitteln kann. Schriftliche Ausarbeitungen müssen nicht unbedingt auf dem Arbeitsblatt erfolgen, sondern können auch in die Schülerarbeitsmappe eingetragen werden.
  • Der Arbeitsauftrag ist gleichsam der Kern des Arbeitsblattes und erfüllt eine Doppelfunktion: Neben der Erarbeitung kognitiven Wissens über die Arbeits- und Wirtschaftswelt werden auch spezifische Arbeitstechniken der Informationsgewinnung, ?verarbeitung und -darstellung geschult und entwickelt. Unter diesem Aspekt besitzt das Arbeitsblatt eine dominante methodische Funktion, indem es unterschiedliche Denkstrategien herausfordert. Arbeitsaufträge können in ihren Einzelelementen als a) Arbeitsaufgabe oder b) Arbeitsanweisungen gestaltet sein.
    a) Die Arbeitsaufgabe enthält nur zwei Elemente: ein Eingangsstatement, das das Problemfeld eingrenzt und eine Denkorientierung gibt, und den Auftrag, der genau beschreibt, was der Schüler tun soll, z.B. die drei betrieblichen Grundfunktionen aufschreiben und in ihrem Verhältnis zueinander bestimmen.
    b) Die Arbeitsanweisung enthält darüber hinaus: Lernhilfen, Untergliederung des Auftrags in einzelne Arbeitsschritte und Hinweise auf Problemstellen. Lösungshilfen sind ggf. bei beiden Arten von Arbeitsaufträgen möglich. Grundsätzlich sollten Arbeitsaufträge vom Schüler mehr als das bloße Ausfüllen von Leerzeilen, nämlich eine ziel- und/oder problemorientierte Auseinandersetzung mit einem begrenzten Sachverhalt verlangen; die im Arbeitsauftrag verwendeten Verben beschreiben die Handlungsformen der Schüler.
  • Die wichtigste Aufgabe des Arbeitsblatts ist es, die Selbsttätigkeit der Schüler zu fördern und möglichst häufig eigenständige Lösungen zuzulassen. Arbeitsblätter erlauben es, jeden einzelnen Schüler an der Unterrichtsarbeit zu beteiligen und auch zu einer individuellen Problemlösung gelangen zu lassen, wenn der Arbeitsauftrag dazu genügend Spielraum lässt. Dabei ist es sinnvoll, einen Wechsel der Symbolisierungsform zu nutzen, um die Schüler mit einer "neuen" Sichtweise zu konfrontieren und zu "gelenkter" Selbsttätigkeit zu bringen: z.B. wird das, was vorher mündlich besprochen wurde, nun schriftlich wiederholt; wird eine besprochene Tabelle jetzt graphisch dargestellt usw. Überschriften in Form von Problemstellungen erzeugen grundsätzlich eine für die Bearbeitung notwendige Arbeitsspannung.

Der unterrichtliche Einsatz von Arbeits- [/S. 35:] blättern birgt als zentrale Gefahrenpunkte, dass der tatsächliche Ablauf des Unterrichts der Vorgabe des Arbeitsblattes folgt und Offenheit und Flexibilität darunter leiden.

3. Schülerarbeitsmappen

Der Einsatz von Arbeitsblättern im Ökonomieunterricht bleibt solange problematisch, "wie nicht mit großer Beharrlichkeit, mit gehörigem Zeitaufwand und liebevoller Pingeligkeit dafür gesorgt wird, dass diese Arbeitsblätter gesammelt, geordnet, zu einem Ganzen zusammengefügt und auch in späteren Unterrichtsphasen als Dokumentation des eigenen Lernprozesses wieder herangezogen werden!" (Meyer 1987, Bd. 2, 308). Arbeitsmappen nehmen die Arbeitsblätter und entsprechende schriftliche Ausarbeitungen der Schüler in geordneter Form auf und machen sie für spätere Unterrichtssituationen und/oder Leistungsüberprüfungen verfügbar. Die Schülermappen bzw. -hefte dienen unterrichtsbegleitend der Erarbeitung, Sicherung und Übung von Lerninhalten und erhalten den Charakter eines Wissensspeichers, der als Arbeits- und Lernhilfe vom Lehrer und auch vom Schüler z.T. selbstständig zu gestalten ist. Neben den Arbeitsblättern beinhalten sie die Tafelabschriften, Unterrichtsergebnisse, die mit Hilfe des Overhead-Projektors festgehalten wurden, Ausarbeitungen aus dem Schulbuch, Beobachtungsbögen und Ergebnisse z.B. eines Rollenspiels, aktuelle Materialien wie z.B. Firmenprospekte einer Erkundung, ggf. ausgewählte Computerausdrucke sowie alle anderen "losen" Unterrichtsmedien und ?ergänzungen.
Mit den Schülern kann man geeignete Gestaltungs- und Beurteilungskriterien für Mappen erarbeiten, wie z.B. Übersichtlichkeit, Vollständigkeit, Lesbarkeit und Sauberkeit, einheitliche Systematik, schnelles Auffinden von Unterrichtsergebnissen, eigenständige Ergänzungen z.B. mit aktuellen Informationen aus der Arbeits- und Wirtschaftswelt. Mögliche Funktionen der Arbeitsmappe für die Schüler im Ökonomieunterricht können sein:

  • Dokumentation des Unterrichtsverlaufs und Sammlung der Unterrichtsmaterialien als "roter Faden" im Schuljahr, der auch Eltern einen Einblick in das Unterrichtsgeschehen ermöglicht.
  • Festhalten der Unterrichtsergebnisse zur Vorbereitung für Lernzielkontrollen.
  • Nachschlagemöglichkeit zum Üben und Wiederholen, wobei dem Schüler eine Selbstkontrolle seiner Arbeitsweise und Leistungsfähigkeit ermöglicht wird.
  • Rückgriffsmöglichkeit auf bisher erarbeiteten Grundlagen als Fundament für die Erarbeitung neuen Lernstoffes.

Nur wenn klar ist, welche didaktische Funktion eine Arbeitsmappe im Ökonomieunterricht erfüllt, können vernünftige Arbeitsblätter konzipiert werden.

4. Unterricht ohne Arbeitsblatt?

Arbeitsblätter können in verschiedenen Unterrichtsphasen die Arbeit des Lehrers methodisch unterstützen, aber auch den gesamten Lernprozess ohne weitere Eingriffe des Lehrers steuern, wobei dieser dann für individuelle Beratungsfunktionen entlastet ist. Sie sollten in einem größeren didaktischen Zusammenhang stehen, wobei ihre hervorstechendsten Eigenschaften die Möglichkeiten zur Individualisierung und Differenzierung des Unterrichts und der Anleitung der Schüler zur Selbsttätigkeit und Selbständigkeit sind. Arbeitsblätter können aber nur ein Element unter anderen innerhalb der Methodenkompetenz des Lehrers sein. Eine sinnvolle Integration der Arbeitsblätter in den Unterricht bedeutet auch, dass am Ende die Arbeit ausgewertet und besprochen wird. Arbeitsblätter sollten sparsam eingesetzt werden, da ihr Einsatz sonst eher Überdruss als Motivation erzeugt.
Das wichtigste Medium des Unterrichts bleiben Lehrer und Schüler mit ihrer Körpersprache und Rhetorik. Mit Hilfe des Körpers können symbolisch Erlebnisse, Erfahrungen, Gefühle, Phantasien und Haltungen vergegenständlicht werden, beispielsweise mit Hilfe des Baus von Standbildern im Ökonomieunterricht. Hierbei baut ein Regisseur aus den Körpern seiner Mitschüler eine Szene auf, die ein Unterrichtsproblem mit Bezug auf sozial geprägte Situationen aus der Arbeits- und Wirtschaftswelt darstellt, welches anschließend zu interpretieren ist. Beim Bau wird nicht gesprochen. Als Interpretationshilfe kennzeichnet der Standbilderbauer jede Körperhaltung mit einem Satz hinsichtlich der symbolischen sozio-ökonomischen Funktion der Person. Darüber hinaus ist der Bau von Standbildern als Vorübung für Rollenspiele gut geeignet. Letztendlich ist nicht das Ausfüllen von Arbeitsblättern, sondern das Einüben von Selbständigkeit bzw. Methodenkompetenz das eigentliche Ziel des Medieneinsatzes im Ökonomieunterricht. "Unterricht ohne Arbeitsblatt" wird aber wie Unterricht mit Arbeitsblättern nur erfolgreich sein, wenn sich Lehrer einer Schule auf ein gemeinsames Rahmenkonzept einigen, das hier Schwerpunkte setzt und - im Rahmen einer Schulphilosophie - zu einem alle Jahrgangstufen betreffenden Prinzip der Schule wird.

5. Literatur

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Zum Autor

Volker Brettschneider, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Paderborn. Warburger Straße 100, 33098 Paderborn


(c) 2001 Volker Brettschneider, Paderborn; (c) 2001 sowi-online e. V., Bielefeld
Dieser Text ist ursprünglich unter gleichem Titel erschienen in: arbeiten+lernen/Wirtschaft, 3. Jg. (1993) Nr. 12, S. 33-35.
© 1993 Verlag Erhard Friedrich, Seelze; © 2001 Volker Brettschneider, Paderborn
Um den Text zitierfähig zu machen, sind die Seitenwechsel des Originals in eckigen Klammern angegeben, z. B. [/S. 53:].
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